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Rückblick: Wanderreise Bergell (09.07. - 13.07.2013)

     

Eine kleine Einleitung…

Nachdem wir in der letzten Zeit viele interessante Flugreisen angeboten hatten, war es wieder mal an der Zeit, ein „erdgebundenes Reiseprojekt“ mit einer Anfahrt per PKW anzubieten. Was eignet sich da mehr als eine Reise nach Bella Italia - Eine ideale Kombination aus leckerem Essen, ein wenig Dolce Vita und dennoch sportliche Touren in allen Höhenlagen.

Untergebracht waren wir im Hotel Conradi, welches direkt am Rande der sehenswerten Altstadt von Chiavenna (http://de.wikipedia.org/wiki/Chiavenna) liegt.


       

09. Juli: Zur Einstimmung eine kleine Wanderung am Splügenpass

Bereits die Anfahrt durch die Bergwelt Graubündens war ein Erlebnis und eine schöne Einstimmung für unseren 5tägigen Wanderulaub. Unsere erste gemeinsame Tour startete am Splügenpass, wo sich 6 der insgesamt 9 Mitreisenden trafen. Von der Passhöhe (2133 m) nahmen wir den ausgeschilderten Wanderweg Richtung Bergseeli. Dieser Aufstieg durch eine wilde Urgesteinslandschaft war abwechslungsreich: riesige, flechtenüberwachsende Felsblocken, einige Schneefelder und dutzende Alpenpflanzen. Bald erreichten wir diesen idyllischen Bergsee, der auf einer Höhe von 2309 Metern liegt. Nun musste eine kurze Steilstufe über ein steiles, doch glücklicherweise nicht ausgesetztes, Schneefeld überwunden werden. In normalen Jahren wäre diese Stelle Anfang Juli wohl ziemlich schneefrei. Kurz vor dem Lago Azzuro (2440 m) überschritten wir die italienische Grenze. Uns erwartete allerdings kein Bergsee in schimmernden Blautönen, sondern ein größtenteils noch mit Schnee und Eis bedeckter See. Der Abstieg nach Montespluga (erste Ortschaft nach dem Pass) war teilweise etwas steil: grobe Blockhalden und ein fieses Schneefeld. Danach kamen wir wieder im „grünen Bereich“ an. Zwischen prächtig blühenden Alpenrosen machten wir unsere größere Vesperpause. Kurz nach unserer Rast wurden wir leider von einem kleinen Regenschauer überrascht, doch bereits in Montespluga (1965 m) zeigte sich wieder die Sonne. Hier gingen wir zum gemütlichen Teil über: Zuerst gab es einen leckeren Sekt der WG Wolfenweiler, danach genehmigten wir uns einen Cappuccino in einem Restaurant in Montespluge. Über die „Via Spluga“ erreichten wir mit nur leichtem Anstieg den Ausgangspunkt Splügenpass. 

Danach folgte die Fahrt zu unserer Unterkunft: Über einige enge Serpentinen und teilweise unübersichtliche Galerien fuhren wir die Splügenstraße nach Chiavenna - Gewisse Adrenalinschübe bei Fahrern und Mitfahrern waren inklusive. Danach gab es ein leckeres 3-Gänge-Menü. Im Laufe des Abends kamen 3 weitere Mitreisende an, die separat angereist waren. So war unsere Gruppe komplett! Den Abend ließen wir bei Bier, Wein und Aperol Sprizz in einem Straßencafe ausklingen. 

 


10. Juli: „Sentiero panoramico“ - Ein Muss für alle Bergell-Wanderer

Heute stand eine Genusswanderung auf dem Programm: Der „Sentioro panoramico“ von Casaccia nach Soglio: http://www.bregaglia.ch/de/aktivitaeten/wanderungen/sentiero-panoramico. 

Nach einem reichhaltigen Frühstück (sogar mit Vollkornbrot) fuhren wir im Konvoi bis in die Gemeinde Casaccia, welche schon im schweizerischen Teil des Bergells liegt. Bereits vom kostenfreien Parkplatz am Ortsrand beim Friedhof war Soglio, das Endziel der heutigen Tour ausgeschildert.       

Bei dieser 15 km langen Genusswanderung liefen wir durch zahlreiche bunte Blumenwiesen mit einer Vielzahl an teilweise seltenen Pflanzen, kamen an einigen Wasserfällen vorbei und hatten die meiste Zeit die Bergeller Granitberge als Traumkulisse vor Augen. Es versteht sich von selbst, dass bei dieser Wanderung der Genuss im Vordergrund stand (ausgiebiges Bewundern der botanischen Vielfalt wie auch der Blick zu den imposanten Bergen). Einziger Wermutstropfen: Kurz vor dem Endziel Soglio kamen wir in einem kurzen, jedoch starken Regenschauer. 

Der genaue Wegverlauf: Casaccia (1458 m) - Roticcio (1268 m) - Brügnet (1350 m) - Durbegia (1410 m) - Parlong (1274 m) - Soglio (1097 m). 

Eigentlich wollten wir mit dem Postbus zurück nach Casaccia fahren. Doch da kam unserem Wanderführer die glorreiche Idee, dass wir auch trampen können. Gesagt getan: Wir sprachen auf dem großen Parkplatz in Soglio ein Ehepaar aus Luzern an und siehe da, unsere beiden Autofahrer wurden sofort mitgenommen. Danach kamen die beiden Fahrer mit ihren Autos nach Soglio und gemeinsam fuhren wir wieder nach Chiavenna. Dort wartete bereits ein leckeres Nachtessen auf uns.


       

11. Juli: Pass Lunghin (2780 m) - Lange Traumwanderung zwischen Bergell und Engadin

An diesem Tag ging es hoch hinaus, sprich wir unternahmen unsere große Alpinwanderung. So viel schon mal vorweg: Für diese Tour wählten wir einen absoluten Traumtag: strahlender Sonnenschein und es wurde für diesen Tag eine sehr geringe Gewitterneigung prognostiziert. 

Wieder fuhren wir von Chiavenna in den schweizerischen Teil des Bergells bis in die Gemeinde Maloja (1809 m), wo wir bei der evangelischen Kirche kostenlos parken konnten. Kurz nach dem Weiler Pila (1835 m) begann der Aufstieg, der sich aufgrund einer schönen Fernsicht auf die nahegelegenen Berge und der üppigen Vegetation sehr kurzweilige gestaltete. Unser Blick schweifte zu den zahlreichen Bergblumen, den schneebedeckten Engadiner Bergen und so erreichten wir bald den teilweise noch schneebedeckten Lägh dal Lunghin (2490 m). Von Bergsommer war hier oben keine Spur, auch der Weiterweg Richtung Pass Lunghin wirkte noch sehr winterlich. Da diese Etappe nicht durch allzu steiles Gelände führte, waren die Schneefelder problemlos zu begehen. Inmitten der schneefreien Flächen blühten bereits zahlreiche Polsterpflanzen - Ein wahrlich schöner Kontrast zum Einheitsweiß und dem blauen Himmel. Kurz vor Erreichen des Passes (2645 m) bogen wir linkerhand ab und bestiegen den Piz Lunghin (2780 m). Der Weg verlief anfangs durch Schneefelder, später durch steiles Schutt- und Felsgelände. Vom Gipfel hatten wir eine traumhafte Rundumsicht: Die höchsten Engadiner Gipfel waren zum Greifen nahe, ebenso die Granitberge des Bergells, unter uns lag der Silser See. Ein obligatorisches Gipfelfoto und der Eintrag ins Gipfelbuch durften natürlich nicht fehlen. Der Rückweg führte uns zurück zum Pass Lunghin, einer Dreifach-Wasserscheide (http://www.hikr.org/tour/post54835.html). Danach begann der lange, jedoch recht moderate Abstieg zum Septimerpass/Pass de Sett (2310 m). Im oberen Teil dieses Abstieges liefen wir über einzelne Schneefelder, die gegen später immer mehr schneefreien Flächen Platz machten. Auf diesen feuchten, bis vor kurzem noch schneebedeckten Böden, entdeckten wir zahlreiche Soldanellen und rotblühende Primeln. Am Septimerpass kamen wir schließlich wieder im „Grünen“ an. Hier machten wir eine ausgiebige Rast (mit Sekt der WG Wolfenweiler) und genossen das traumhafte Wetter.

Der Abstieg im Bergell war wiederum sehr abwechslungsreich: ein tosender Bergbach und eine immense Blumenvielfalt waren unsere Begleiter bis zur Wegverzeigung bei Maroz Dora (1795 m). Das letzte Teilstück des Abstieges führte uns größtenteils über einen breiten Wirtschaftsweg runter nach Casaccia (1458 m), genau zu dieser Stelle, an der die gestrige Panoramawanderung begann. 

Die reine Wanderzeit betrug diesmal 6-7 Stunden, bei knappen 1000 Höhenmetern und einer Wegstrecke von 16 Kilometern. Abgesehen vom Aufstieg zum Piz Lunghin eine relativ einfache Bergwanderung ohne nennenswerte Schwierigkeiten. 

Von Casaccia fuhren unsere beiden Fahrer per „Daumentaxi“ zurück nach Maloja - Und wieder hatten wir Riesenglück, bereits das 2. Auto (ein Bauarbeiter aus Italien) nahm uns mit. 

Diesen erlebnisreichen Tag ließen wir bei einem leckeren Abendessen und etwas Dolce Vita ausklingen.


     

12. Juli: Monte Berlinghera (1930 m) - Aussichtsreicher Gipfel am nördlichen Comer See

Unsere 4. Wanderung führte uns Richtung Süden - Das Ziel war der Monte Berlinghera (1930 m), ein ungemein aussichtsreicher Berg am nordöstlichen Ufer des Lario (Comer See). Diesmal war bereits die Anfahrt sehr abenteuerlich: Von Chiavenna über stark befahrene Straßen bis nach Gera Lario (201 m). Von dort führte eine sehr schmale und teilweise ausgesetzte Bergstraße bis zur Ferienhaussiedlung San Bartalomeo (1203 m). Glücklicherweise hielt sich der Verkehr in Grenzen, so waren kaum schweißtreibende Ausweichmanöver nötig. Vom Parkplatz am Straßenende folgten wir einfach dem Wanderwegweiser für längere Zeit durch einen schattenspendenden Wald. Bei der Alpe di Mezzo (1540 m) erreichten wir die Baumgrenze. Leider waren hier oben die Markierungen sehr dürftig, doch glücklicherweise fanden wir ohne größere Probleme den richtigen Weg. Am besten gleich den nicht zu übersehenden Hochspannungsmasten bei der Bocchetta Chiaro anvisieren. Von diesem Sattel (1666 m) stiegen wir rechterhand den unmarkierten Pfad zum aussichtsreichen Gipfel des Monte Berlinghera (1930 m) auf. Die Rundumsicht war phänomenal: Von den hohen Bergen des Bergells und des Veltins im Norden bis zu den Bergen am Comer See im Süden reichte unser Weitblick. Es versteht sich von selbst, dass wir eine ausgiebige Gipfelpause einlegten, die lediglich durch den Schafskot am Gipfel etwas getrübt wurde. Für den Abstieg wählten wir den nur schwach erkennbaren Pfad über den südwärts gerichteten Wiesenhang. Ohne Schwierigkeiten kamen wir in der Nähe der Alpe Pescedo (1559 m) an. Durch diese Variante mussten wir für Auf- und Abstieg vom Berggipfel nicht den gleichen Weg nehmen. Allerdings war der Rückweg durch den Wald identisch mit dem Aufstiegsweg. Nachdem wir unseren Ausgangspunkt San Bartalomeo erreichten, fuhren wir in die Ortschaft Gera Lario. Hier bummelten wir etwas an der Strandpromenade entlang und genossen ein Gelato und/oder einen feinen Eiskaffee. 

Höhenunterschied: 750 Meter, Weglänge: ca. 9 Km, reine Gehzeit: 3-4 Stunden, wir waren sehr gemütlich unterwegs. 

The same procedure like every evening: Den Abend in Chiavenna ließen wir bei leckeren Essen und Dolce Vita ausklingen. An diesem Abend gab es in der Altstadt mehrere Openair-Veranstaltungen mit italienscher Musik, also der ideale Rahmen für den letzten Abend in Chiavenna.

 


13, Juli: Wasserfall-Wanderung bei Chiavenna und Heimfahrt

Leider hat auch die schönste Reise ein Ende. Doch wir nutzten den Abreisetag für eine sehr interessante Wanderung entlang eines imposanten Wasserfalls. Wir genossen das reichhaltige Frühstück zum letzten Mal, verabschiedeten uns vom ausgezeichneten Hotel Conradi und ihrem freundlichen Personal und fuhren dann in wenigen Minuten nach Borgonuovo (405 m). Hier stellten wir unsere Autos auf dem Parkplatz ab, der sich linkerhand am Ortseingang befindet. Von dort liefen wir den Senterio Panoramico zu den tosenden Wasserfällen der Cascate dell´ Acqua Fraggia. Der Einstieg ist teilweise schwer zu finden. Danach führte uns der teilweise aufwendig angelegte Weg durch einen Kastanienwald stetig nach oben und streifte immer wieder das kühlende Wasser der zahlreichen Kaskaden. Nach ca. 500 schweißtreibenden Aufstiegsmetern erreichten wir das idyllische Bergdorf Savogno (932 m). Dieses kleine Dorf liegt sehr aussichtsreich über dem Val Chiavenna und ist nur zu Fuß erreichbar. In einer gemütlichen Bar löschten wir unseren Durst und genossen diesen Flair abseits der Hektik. Danach war es nicht mehr weit bis zum nächsten „autofreien“ Dorf Dasile (1032 m), von wo aus wir einen schönen Tiefblick Richtung Chiavenna hatten. Der Abstiegsweg war teilweise recht steil, führte aber größtenteils wieder durch einen schattigen Kastanienwald. 

Reine Wanderzeit: ca. 3,5 Stunden bei 650 Höhenmetern und ca. 7 Kilometern Weglänge. 

Die Abschlusseinkehr fand bei leckeren Pastagerichten und kühlen Getränken in einem urigen Ristorante nahe der Schweizer Grenze statt. 

Nach einer herzlichen Verabschiedung machten wir uns an die Heimreise. Wir waren uns alle einig: Es war ein gut organisierter Urlaub mit einer sehr harmonischen Gruppe!

 


Fazit´s: