25.06. – 02.07.16: Bergtourenwoche Bulgarien

 

Vorwort:

Bulgarien gehört eigentlich zu den unbekannten Reisezielen, lediglich die Schwarzmeerküste rund um den Goldstrand ist ein bekannteres Touristenziel. Die Bergwelt Bulgariens gehört zu den absoluten Geheimtipps. Eigentlich zu Unrecht: Eine unberührte Berglandschaft, die herzliche Gastfreundschaft der Bulgaren und die niedrigen Nebenkosten vor Ort garantieren einen gelungenen Urlaub. Das Wandervergnügen im Rila-Gebirge kombinierten wir mit reichlich Kultur (Stadtführung Sofia und Führung Rila-Kloster). Es dauerte nicht lange und die Reise war innerhalb kurzer Zeit ausgebucht!

Nach einer langen Wartezeit, verbunden mit einer riesigen Vorfreude, war es dann endlich soweit: Am 25. Juni 2016 flogen 13 Personen gemeinsam in die bulgarische Hauptstadt Sofia.

 

 

25. Juni: Flug Sofia mit später Ankunft

Unsere Anreise in die bulgarische Hauptstadt verlief reibungslos, allerdings kamen die Teilnehmer mit Abflughafen Frankfurt erst kurz nach Mitternacht in Sofia an. Aufgrund der späten Flugzeit konnten wir einen schönen Sonnenuntergang aus dem Flieger heraus bewundern. Am Sofia Airport wurden wir bereits von unserem Busfahrer begrüßt, der ein Schild mit dem Aufdruck „Straussenclique“ hochhielt. Die Fahrt durch das nächtliche Sofia zu unserem Hotel Crystal Palace (http://www.crystalpalace-sofia.com) war sehr kurzweilig, nach dem Einchecken legten wir uns natürlich gleich schlafen.

 

 

26. Juni: Stadtführung Sofia

Etwas übermüdet nach dieser relativ kurzen Nacht genossen wir das reichhaltige Frühstück im Crystal Palace und konnten endlich unsere Reiseteilnehmer begrüßen, welche ab Basel bzw. Zürich geflogen sind. Danach checkten wir gleich aus, verstauten das Gepäck und wurden bereits von Plamen, unserem Guide, begrüßt. Wir starteten sogleich zu unserer mehrstündigen Stadtführung durch Sofia. София hat ca. 1,3 Millionen Einwohner und bietet eine kulturelle und architektonische Vielfalt, deren früheste Besiedlungsgeschichte bis ins Altertum zurückreicht. Während des ausführlichen Stadtrundganges zeigte uns Plamen mehrere archäologische Stätten, Relikte des Sozialismus, welche das Stadtbild immer noch sehr dominant prägen und auch das moderne Sofia. Aufgefallen ist uns vor allem die Sauberkeit in der Stadt – Kaum Müll und keine bettelnde Banden. Wir starteten unsere Führung bei der Alexander-Newski-Kathedrale und beendeten diese bei der Zentralen Markthalle.

Eine genaue Beschreibung der Stadtführung würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, weitere Informationen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Sofia.

Danach fuhren wir ins ca. 70 Km entfernte Borovets (Боровец), dieser Ort ist wohl der bekannteste Skiort in ganz Bulgarien. Auch hier waren wir wieder in einem schönen 4Sterne-Hotel untergebracht: Dem Lion Hotel (http://www.lionhotelborovets.com). Bei einem landestypischen Abendessen und einem anschließenden Bier an der Hotelbar ließen wir diesen Tag ausklingen.

 

 

27. Juni: Rila-Kloster – Führung zum Nationalheiligtum der Bulgaren

Heute stand Tag 2 mit Plamen auf dem Programm: Gemeinsam mit unserem Guide fuhren wir zum Rila-Kloster (https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Rila). Die Anreise dauerte ca. 1,5 Stunden und führte uns durch eine weitläufige Landschaft mit zahlreichen Wiesen, Feldern und nur wenig Siedlungen. Unseren „Kulturtag“ starteten wir mit einer ca. 4-5 Km langen Wanderung vom Kloster bis zum Grabe des Iwan Rilski (https://de.wikipedia.org/wiki/Iwan_Rilski). Vom Kloster liefen wir einfach die schmale Straße taleinwärts, genossen die artenreiche Flora und die Sicht zu den schroffen Bergspitzen der höheren Rila-Berge. Nach ca. 4 Km verließen wir die Straße und erreichten nach ca. 15 Minuten die Kapelle/Grab des Heiligen Iwan. Danach fuhren wir gemeinsam zum Rila-Kloster und kamen erneut in den Genuss einer informativen Führung durch Plamen.

Ganz in der Nähe des Klosters befindet sich ein Forellen-Restaurant, wo wir gemütlich einkehrten und uns bei Plamen für die beiden sehr lehrreichen Tage bedankten.

 

 

28. Juni: Wanderung zu den 7-Seen im Rilagebirge

Heute stand die „7-Seen-Wanderung“ auf dem Programm – Eine landschaftlich sehr reizvolle Wanderung inmitten mehrerer Bergseen. Nach einem reichhaltigen Frühstück fuhren wir mit unserem Kleinbus bis zur Talstation Pionerska (1585 m). Bei dichten Nebel gondelten wir mit dem Sessellift bis zur Hütte Rilski Ezera (2100 m). Leider hatten noch viele andere Personen (vor allem Schulklassen) die gleiche Idee, so dass wir anfangs nicht alleine unterwegs waren. Bei weiterhin dichten Nebel folgten wir von der Hütte dem rot markierten Weg rechterhand, der uns ein kurzes Stück bergan führte. Bald erreichten wir eine grasige Hochfläche mit zahlreichen Bergpflanzen. Wir waren von der Artenvielfalt beeindruckt und zu unserer Freude lichtete sich langsam auch der Nebel. So hatten wir einen Blick auf die unter uns liegenden Seen wie auch zu den höhergelegenen Bergen oberhalb vom Seenplateau. Nach einer knappen Stunde erreichten wir den Babreka Lake („Niere“). Hier folgten wir der grünen Markierung bergan und kamen alsbald bei den nächsten beiden Bergseen Okoto und Salzata vorbei. Oberhalb vom Salzata Lake auf einer Höhe von ca. 2550 Metern machten wir unsere wohlverdiente Mittagsrast, die mittlerweile bei strahlenden Sonnenschein stattfand. Auf gleichen Wege stiegen wir wieder ab bis zum „Nierensee“. Nun schlugen wir rechterhand den grün-gelb markierten Weg ein. Nach wenigen Minuten kamen wir bei einem botanisch sehr interessanten Flachmoor vorbei. Hier entdeckten wir zahlreiche Exemplare der endemischen Rila-Primel (Primula deorum) und weitere seltene Pflanzen. Ein Botaniker aus Holland machte uns auf einige botanische Schätze aufmerksam. Ohne Höhenverlust setzte sich der imposante Weg durch ein beeindruckendes Seenplateau fort. Leider zogen immer mehr dunkle Wolken auf, so dass wir bei starker Bewölkung, doch ohne einen Tropfen Regen, die Hütte Rilski Ezera erreichten. Nach einer Gehzeit von ca. 4 Stunden und etwa 550 Höhenmetern fuhren wir mit dem Sessellift wieder ins Tal. Dort wurden wir bereits von unserem Busfahrer erwartet, der uns wieder zurück nach Borovets brachte.

Sehr ausführlich sind die einzelnen Seen unter folgendem Link beschrieben: http://www.4funweb.de/rila-pirin/rila-pirin2.htm

 

 

29. Juni: Wanderung Borovets: Von Yasterbetz zurück nach Borovets

Am heutigen Tag stand die Besteigung des Musala (höchster Berg von Bulgarien) auf dem Programm. Leider fing es schon an der Talstation Yasterbetz in Borovets mit regnen an. Dennoch lösten wir ein Ticket und fuhren bei strömenden Regen bis zur Bergstation Yasterbetz (2369 m). Wie auf Kommando hörte sogar der Niederschlag auf, so starteten wir frohen Mutes mit der heutigen Bergwanderung. Beinahe ohne Höhenverlust liefen wir ca. 4 Km auf einen breiten Weg bis zur Musala Hütte (2389 m). Hier kehrten wir erstmal ein und hofften, dass sich der Nebel verzog. Dies war leider nicht der Fall, so dass unser Organisator eine Alternativ-Tour vorschlug. Wir folgten dem rot markierten Weg von der Hütte bis hinunter nach Borovets. Wir liefen ca. 8 Km durch ein wunderschönes Tal mit den vielfältigsten Vegetationsstufen. Im oberen Teil entdeckten wir in den Feuchtwiesen wieder zahlreiche Rila-Primeln, weiter unten schließlich eine interessante Hochstaudenflur und im letzten Teil der Wanderung zahlreiche Waldpflanzen. Wir blieben fast bis zum Ende der Tour trocken, allerdings war die Fernsicht an diesem Tag ziemlich „bescheiden“. Erst kurz vor Erreichen des Ortsrandes von Borovets (ca. 1400 m) ging ein erneut kurzer Regenschauer über unsere Köpfe nieder. Im Ortskern fanden wir ein gemütliches Restaurant, wo wir Kaffee und Kuchen zu unschlagbar günstigen Preisen genossen.

Fazit: Trotz schlechter Wetterprognosen haben wir eine schöne Wanderung unternommen!

 

 

30. Juni: Bergtour Musala – Das Dach von Bulgarien ist erreicht!

Wie bereits am Vortag gondelten wir bequem von Borovets bis nach Yasterbetz hoch. Auf den uns mittlerweile bekannten Wege liefen wir von der Bergstation (2369 m) bis zur Musala Hütte (2389 m). Im Gegensatz zum gestrigen Tag hatten wir nun strahlenden Sonnenschein, wenn auch die ersten Wolken am Musala aufzogen. Nach einem kleinen Aufstieg erreichten wir den idyllisch gelegenen Alekovoto Ezero, in dessen Wasser sich die umliegenden Berge spiegelten. Über eine geröllige Ebene erreichten wir alsbald die Hütte Everest (2720 m) mit dem Ledenoto Ezero (2710 m), dem höchstgelegenen See im Rila-Gebirge. Der weitere Aufstieg verlief als breiter Serpentinenweg entlang des Musala-Nordhanges. Danach kamen wir bei der Vermessungssäule auf 2925 Metern Höhe an – Diese markiert nicht nur den höchsten Berg Bulgariens, sondern auch die höchste Erhebung des gesamten Balkans und von Südosteuropa. Somit ist der Musala (Мусала) wahrlich ein Berg der Superlative: https://de.wikipedia.org/wiki/Musala. Wir genossen ausgiebig unseren Gipfeltriumph und machten natürlich auch eine ausgiebige Mittagspause. Die Fernsicht war immer wieder durch aufziehende Wolken gestört, doch glücklicherweise blieb es trocken. Danach machten wir uns an den Abstieg und liefen den gleichen Weg zurück zum Ausgangspunkt. Beim Alekovoto-See wurden wir mit einem feinen bulgarischen Sekt verwöhnt. Bei der Bergstation kehrten wir auf der sehr aussichtsreichen Terrasse des Restaurant Yasterbetz ein. Alle Gipfelstürmer unterschrieben auf der Bulgarien-Fahne und genossen feine Speisen und Getränke. Danach fuhren wir mit der Seilbahn zurück nach Borovets.

 

 

01. Juli: Strašnoto Ezero – Bergtour inmitten einer wilden Bergkulisse

Ein Wanderurlaub vergeht immer viel zu schnell – Heute stand unsere letzte Bergwanderung auf dem Programm. Unsere Fahrt führte uns zum Sportkompleks Maljovica (1740 m), welcher sehr idyllisch am Rande des Rila-Nationalparks liegt. Hier folgten wir der blauen Markierung und erreichten über einen breiten Weg durch ein landschaftlich reizvolles Hochtal die Hütte Maljovica (1960 m). Am Ende thront der Gipfel Maljovica (2729 m) – Überhaupt sind die Gipfel im nordwestlichen Rila felsiger und schroffer als in den anderen Teilen dieses Gebirges. Bei der Hütte bogen wir scharf links ab (rot-gelbe Markierung), überquerten einen Bach und stiegen dann in Serpentinen steil bergan. Nach ca. 1 Stunde wurde das Gelände flacher und wir betraten einen Kessel unterhalb schroffer Bergspitzen. Wir erreichten mehrere sehr reizvolle Bergseen und genossen die wilde Landschaft und die absolute Einsamkeit dieser Route. Leider zogen immer mehr Gewitterwolken auf, so dass wir unsere Mittagspause erst beim Strašnoto Ezero einlegten. Die Szenerie rund um den „Schrecklichen See“ ist wirklich sehr reizvoll, ist doch dieser Ezero umgeben von dunklen und schroffen Bergspitzen. Durch die dunklen Gewitterwolken und dem ersten Donnergrollen wirkte an diesem Tage die Stimmung sogar sehr finster. Nachdem wir uns gestärkt hatten, folgten wir dem Abstiegsweg (blaue Markierung). Anfangs mussten wir eine leicht exponierte Stelle überwinden (max. T3), danach setzte sich der Weiterweg in flachem Wiesengelände fort. Leider zogen die dunklen Gewitterwolken über unsere Köpfe hinweg und nach und nach fing es stark zu regnen an. Wir verkrochen uns unter Latschenkiefern und warteten bis das Gewitter an uns vorbeigezogen war. Nach ziemlich genau 30 Minuten machten wir uns vollkommen durchnässt an den Weiterweg. Beim Joncevo Ezero folgten wir der grün-blauen Markierung. Mit nur wenig Höhenunterschied führte uns der Weg durch eine saftig-grüne Wiesenlandschaft, aus sicherer Entfernung bewunderten wir mehrere Gewitter. Bei der nächsten Verzweigung wechselten wir auf den Weg mit der grünen Markierung und erreichten nach einer reinen Gehzeit von ca. 6 Stunden und etwa 1000 Höhenmetern den Ausgangspunkt beim Sportkompleks.

 

 

02. Juli: Rückflug – Abschied von Bulgarien nehmen

Am späten Vormittag wurden wir schließlich bei unserem Hotel abgeholt, so blieb nach dem Frühstück nochmals Zeit für einen kleinen Bummel durch Borovets. Die Wartezeit am Flughafen Sofia empfanden wir als sehr kurzweilig, wir ließen nochmals unseren Urlaub Revue passieren. Leider war der Himmel während des Fluges bewölkt, so dass wir keinen Tiefblick auf die Berge des Balkans hatten. Die Zugfahrt von Frankfurt verlief auch ohne größere Zwischenfälle. An diesem Abend fand das EM-Spiel Deutschland – Italien statt. Wir kamen sogar in den Genuss eines privaten Public Viewings im ICE :-)

 

 

Fazit dieser Reise:

  • Bulgarien ist eine Reise wert: Eine wilde Berglandschaft, sehr gastfreundliche Menschen und vor allem unschlagbar günstige Nebenkosten
  • Trotz eines gewissen Abenteuer-Faktors im Vorfeld hat vor Ort alles reibungslos geklappt!
  • Die Wanderwege im Rila-Gebirge sind farblich sehr gut markiert, allerdings sind Wegweiser Mangelware und meistens nur in kyrillischer Schrift vorhanden.
  • Bereits für unsere Balkanreise im Juni/Juli 2017 haben wir die ersten Interessenten!
  • Es war eine rundum gelungene Wanderreise – Es hat einfach alles gepasst! Ein herzliches Dankeschön an die tolle und harmonische Gruppe!
   
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