25.06. – 02.07.2022: Wanderreise Kosovo

 

Vorwort: 

Die Republik Kosovo ist der jüngste Staat in Europa und besteht erst seit 2008. Das/der Kosovo wird weiterhin von vielen Ländern als nicht eigenständiger Staat anerkannt. Wir möchten uns jedoch hier nicht an dieser politischen Diskussion beteiligen, sondern freuten uns einfach über eine spannende Reise in ein „exotisches“ Land mitten in Europa. Uns erwarteten faszinierende Bergtouren inmitten einer wilden Berglandschaft, gastfreundliche Menschen und eine bewegte Geschichte. Und ganz nebenbei konnten wir einen weiteren Europäischen Länderhöhepunkt besteigen.

Wir führten diese Reise wieder als Expedition mit nur 8 Teilnehmern durch – Es versteht sich von selbst, dass diese Wanderreise sehr schnell und größtenteils unter der Hand ausgebucht war.

 

25. Juni: Flug nach Pristina 

Unser Flug in die Hauptstadt nach Pristina verlief ohne größere Zwischenfälle, ebenso die kurzweilige Taxifahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum. Wir checkten im Hotel City Inn ganz in der Nähe des Stadtzentrums ein.

Nach dem Bezug unserer Hotelzimmer erkundigten wir gemeinsam die Innenstadt von Prishtinë. Für das Abendessen fanden wir ganz in Hotelnähe ein feines landestypisches Restaurant. Voller Vorfreude auf den morgigen Tag legten wir uns anschließend schlafen.

26. Juni: Stadtführung Pristina und Fahrt in die Sharr-Berge 

Der heutige Tag startete mit einem reichhaltigen Frühstück – Danach wurden wir bereits in der Hotellobby von Orhan, unserem Stadtführer empfangen. In unserer 2-3stündigen Citytour per Pedes lernten wir die Sehenswürdigkeiten von Pristina kennen, ebenso die wechsel- und auch leidvolle Geschichte der kosovarischen Hauptstadt. Die Spuren des Kosovokrieges verfolgten uns leider auf Schritt und Tritt. Die Stadtführung war sehr kurzweilig – Ein herzliches Dankeschön an Orhan!

Weitere Infos über Pristina: https://de.wikipedia.org/wiki/Pristina

Danach ging es mit einem Minivan in die Sharr-Berge im Süden des Kosovos, nahe der albanischen und nordmazedonischen Grenze. Die Fahrt dauerte ca. 3 Stunden und führte uns am Ende durch ein wunderschönes Hochtal bis zum Hotel Arxhena oberhalb von Brod. Dies war unsere Unterkunft für die nächsten Tage und das „Basecamp“ für die Länderhöhepunkt-Besteigung inmitten einer atemberaubenden Bergwelt.

Den Abend ließen wir bei einem reichhaltigen und fleischlastigen Abendessen ausklingen und legten uns dann voller Vorfreude auf die morgige Ländergipfeltour schlafen.

27. Juni: Rudoka (2661 m) – Erfolgreiche Besteigung des kosovarischen Länderhöhepunktes 

Heute stand eine etwas längere Tour auf dem Programm: Eine Bergwanderung auf das Dach des Kosovos, dem 2661 m hohen Rudoka. Bei diesem Länderhöhepunkt handelt es sich nur um eine unscheinbare Erhebung am Gipfelkamm zwischen dem Kosovo und Nordmazedonien, gelegen im Šar Planina/Malet e Sharrit/Шар планина/Sharr Gebirge: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudoka. Auf manchen Karten wird seine Gipfelhöhe noch mit 2658 Metern angegeben.

Landläufig wird immer noch der 2656 Meter hohe Gjeravica als kosovarischer Länderhöhepunkt angegeben. Dies liegt wohl daran, da es sich hierbei um die höchste Erhebung handelt, die komplett im Kosovo liegt: https://de.wikipedia.org/wiki/Gjeravica.

Für uns ist angesichts dieser Faktenlage jedenfalls der Rudoka der Länderhöhepunkt im Kosovo 😊

Nun unsere Besteigung stichwortartig:

  • Uns erwartete ein strahlend sonniger Tag – ideale Bedingungen für eine lange Gipfeltour!
  • Start direkt beim Hotel – „Hinterm Haus“ folgten wir der steilen Schotterpiste, die parallel zu den Masten des Skiliftes verläuft.
  • Danach wurde der Weg wieder deutlich flacher – Wir folgten für einige Kilometer einem wunderschönen Weg, der entlang eines sonnigen Berghangs verlief. Die Blumenpracht war einfach beeindruckend!
  • Wir erreichten mehrere Stallungen und kamen mit einem Hirten ins Gespräch, der teilweise auch in Basel lebt
  • Danach kamen wir am idyllisch gelegenen Shutman-See vorbei, ein Kleinod auf ca. 2070 Metern
  • Wir gelangten auf eine weitläufige Hochebene – Die Einsamkeit und die reichhaltige Natur beeindruckten um uns herum waren sehr beeindruckend
  • Bei einer Senke mit zahlreichen Quellfluren begann der weglose Aufstieg auf einen steilen Höhenrücken (nicht ausgesetzt, aber recht steil)
  • Kurze Zeit später wurde es Gelände erneut flacher, es folgte nochmals ein Plateau vor dem finalen Gipfelaufschwung
  • Das letzte Stück zum Gipfel war nicht mehr allzu steil – Schließlich erreichten wir einen Grenzstein, der den höchsten Punkt der Republik Kosovo markiert
  • Bei idealen Wetterbedingungen verweilten wir einige Zeit auf dem Rudoka, genossen die beinahe grenzenlos wirkende Fernsicht über die Berge von Nordmazedonien, teilweise waren auch die Berge von Montenegro zu sehen. Ein paar Nebelschwaden blieben harmlos und sorgten eher für fotogene Motive
  • Wir feierten natürlich ausgiebig die Besteigung eines weiteren Länderhöhepunktes 😊
  • Für den Abstieg folgten wir einem steileren Gratrücken (regulärer Wanderweg), wo wir von einem starken Wind überrascht wurden 
  • Oberhalb vom Liqeni i Shutmanit (Shutman-See) stießen wir wieder auf den Aufstiegsweg.
  • Der Rückweg zog sich ganz schön in die Länge – Doch aufgrund der Nachmittagssonne und einer geänderten Perspektive gab es weiterhin viel zu entdecken (und zu fotografieren).
  • Für die 24 Km und ca. 1300 Höhenmeter waren wir insgesamt 10 Stunden (inklusive Pausen) unterwegs. Eine wahrlich konditionell fordernde Gipfeltour, jedoch ohne größere technische Schwierigkeiten.
  • Mit etwas Verzögerung (Stromausfall im Hotel) genossen wir ausgiebig unser Abendessen und das eine oder andere kühle Bier 😊

28. Juni: Wanderung oberhalb vom Hotel Arxhena

Nach der gestrigen unvergleichlich schönen und gleichzeitig konditionell forderten Länderhöhepunkt-Besteigung unternahmen wir heute eine etwas kürzere Wanderung. Zuerst liefen wir die Fahrstraße vom Hotel talauswärts, bogen alsbald linkerhand in den regulären Wanderweg ab. Der Aufstieg führte uns leicht ansteigend entlang eines sonnigen Südhanges (an diesem Tag sehr schweißtreibend) bis zur Bergstation des Skilifts. Oberhalb vom Skigebiet erhebt sich eine kleine Felsformation, die wir über eine grasige Piste erreichten. Diese Minigipfel (Kershi I Hajrushit) erreichten wir nach wenigen Metern im einfachen Kraxelgelände. Danach ging es wieder zurück zur geschlossenen Skihütte und weiter zu einem künstlich angelegenen Bergsee, der wohl als Wasserspeicher für Schneekanonen dient. Danach begann der Abstieg entlang der parallel zum Skilift verlaufenden Schotterpiste.

Obwohl wir den heutigen Tag etwas gemütlicher angingen, waren es in Summe letztendlich doch 11,5 Km und 700 Höhenmeter.

Link zu outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/rajoni-i-prizrenit/kosovo-2022-28.-juni-wanderung-oberhalb-vom-hotel-arxhena/330239167

29. Juni: Kleine (Abschieds)Wanderung oberhalb vom Hotel Arxhena 

Leider mussten wir heute Abschied vom Arxhena Mountain Resort und dem traumhaften Hochtal des Flusses Brod nehmen. 

Davor unternahmen wir noch einen gut 2stündigen Spaziergang flußaufwärts. Der deutlich erkennbare Pfad führte uns sehr abwechslungsreich entlang der linken Hangseite, meistens knapp oberhalb des Flusses. Immer wieder liefen wir auch direkt am Wasser – Jedenfalls eine kleine aber feine „Mini-Wanderung“. Wir entdeckten auf diesem Bergspaziergang wieder eine immense Vielfalt an blühenden Pflanzen und Schmetterlingen und genossen die schöne Bergszenerie um uns herum und fotografierten auch eifrig 😊 Auf gleichem Wege ging es zurück.

Danach mussten wir endgültig Abschied vom Hotel Arxhena nehmen – Unser Fahrer für den Transfer nach Peja erwartete uns bereits. Die gut zweistündige Fahrt führte uns in die viertgrößte Stadt im Kosovo (https://de.wikipedia.org/wiki/Peja), wo wir im Hotel Semitronix untergebracht waren. Ein kleines Stadthotel, welches sich ganz oben in einem Hochhaus befindet. Wir kamen in den Genuss eines leckeren Abendessens auf der aussichtreichen Terrasse mit Blick über die gesamte Stadt und zu den nahegelegenen Bergen.

30. Juni: Bergtour Hajla/Hajlë (2403 m) – Unterwegs im Nationalpark Bjeshkët e Nemuna 

Heute stand eine geführte Bergtour auf einen ungemein aussichtsreichen Gipfel im Nationalpark Bjeshkët e Nemuna auf dem Programm. Wir kamen in den Genuss einer geführten Tour durch zwei kompetente Guides von Balkan Natural Adventure. Für die eigentliche Wanderung hätten wir keinen Guide benötigt, da die Wanderwege sehr gut ausgeschildert waren. Allerdings war die Fahrt zum Startpunkt nur mit einem geländegängigen Fahrzeug möglich, so dass wir auf einen externen Anbieter angewiesen waren.

Wir wurden nach dem Frühstück zuverlässig beim Hotel abgeholt, die Fahrt führte von Pejë durch die Rugovë Schlucht, danach ging es auf einer teilweise unbefestigten Piste bergan bis zum Startpunkt bei Pepaj/Pepiq (ca. 1580 Meter).

Nun konnten wir die Wanderstiefel schnüren – Wir folgten anfangs dem Wanderweg bis zur Alm Qafa Gjonit. Ein gemütliches Einlaufen inmitten einer wunderschönen und grünen Berglandschaft. Jetzt verließen wir den breiten Weg und bogen linkerhand ab, es ging bergan bis an den Fuß des Hajla/Hajlë. Unser lokaler Guide führte uns nun entlang eines steilen Wiesenhanges weglos nach oben, eine etwas schweißtreibende Partie. Schließlich erreichten wir den felsigen Grat von diesem Grenzberg (Montenegro/Kosovo) mit seiner imposanten Rundumsicht. Wir genossen die Fernsicht bis weit hinein nach Montenegro wie auch die zahlreichen Bergblumen am Boden (Edelweiß!). Das Begehen dieses breiten Gipfelgrates war sehr kurzweilig und nur an wenigen Stellen etwas ausgesetzt. Viel zu schnell erreichten wir den 2403 Meter hohen Gipfel. Wir verweilten allerdings nicht allzu lange am höchsten Punkt, da bereits einige dunkle Wolken am Horizont aufzogen. Für den Abstieg folgten wir dem regulären Wanderpfad, dies war ein angenehmer Serpentinenweg durch blumenreiche Bergwiesen. Als botanisches Highlight entdeckten wir die gelbblühende Albanische Lilie. Wir erreichten fast minutengenau mit dem Einsetzen des Starkregens die Stani Fatosit Hütte. Jetzt war der ideale Zeitpunkt für einen Umtrunk mit einem feinen Rotwein. Als der Regen etwas nachgelassen hatte, ging es auf direktem Wege zurück zum Ausgangspunkt.

Bei der heutigen Wanderung legten wir insgesamt 11 Km und gute 800 Höhenmeter zurück…

Link zur Onlinekarte:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/rajoni-i-pejes/kosovo-2022-30.-juni-bergtour-hajla-hajle-2403-m-unterwegs-im/245675851

Danach fuhren wir zurück zum Hotel und verabschiedeten uns von den beiden Guides!

Wir können die Agentur Balkan Natural Adventure uneingeschränkt empfehlen!

1. Juli: Kleine Wanderung oberhalb der Rugova-Schlucht und Transfer zurück nach Pristina 

Der heutige Tag startete mit einem Taxi-Transfer von unserem Hotel bis in die imposante Rugova-Schlucht (Grykë/-a e Rugovës), eines der Naturwunder im Kosovo. Der Wanderweg „Shtegu i Mushkave“ ist ein ungemein spannender Wanderweg: Teilweise führte der Pfad schmal und etwas ausgesetzt durch einen steilen Schluchtwald, immer wieder kamen wir an aussichtsreichen Felsen vorbei. Eine Stelle war sogar mit Eisenbügel und einem Stahlseil gesichert – Auf diesem Weg kam garantiert keine Langeweile auf. Die Flora war ungemein vielfältig, vor allem an den lichten und sonnenbeschienenen Felspartien. Nicht umsonst steht das ganze Gebiet unter Naturschutz (Nationalpark Bjeshkët e Nemuna). Als botanische Besonderheit entdeckten wir die Europäische Forsythie (https://de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Forsythie), im Juni natürlich nicht mehr blühend. Nach gut 2 Kilometern wurde der Wegverlauf „moderater“, wir erreichten kurze Zeit später das Ufer des Flusses Bistrica. Über einen breiten Weg kamen wir am Stadtrand von Peja an. Danach ging es durch die Außenbezirke zurück zum Hotel in der Stadtmitte.

Streckenlänge: 7,5 Km, 300 Höhenmeter.

Onlinekarte in outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/kosovo/kosovo-2022-01.-juli-von-der-rugova-schlucht-zurueck-nach-peja/241066559

Leider mussten wir nach 2 beeindruckenden Wanderungen wieder Abschied von Peja nehmen. Ein Transfertaxi brachte uns wieder zurück nach Pristina, wo wir wieder im uns bereits Hotel City Inn eincheckten. Ein Abendessen in einem landestypischen Restaurant und ein nächtlicher Bummel durch die Innenstadt (Wir konnten ein Musik- und Trachtenfestival hautnah erleben) rundeten diesen erlebnisreichen Tag ab.

2. Juli: Rückflug – Abschied vom Kosovo nehmen

Unser Urlaub verging leider viel zu schnell – Nach einem feinen Frühstück im Hotel City Inn nutzten wir den freien Vormittag nochmals für einen kleinen Bummel durch Pristina. Danach ging es mit dem Taxi bis zum Pristina International Airport „Adem Jashari. Jetzt mussten wir endgültig vom Kosovo Abschied nehmen…

Fazits dieser Reise:

  • Die Republik Kosovo ist zu Unrecht ein weißer Fleck auf der Touristenlandkarte: Naturnahe Berg- und Hügellandschaften und gastfreundliche Menschen machen einen Urlaub im Kosovo absolut lohnenswert.
  • Auch vollkommen zu Unrecht hat das/der Kosovo ein schlechtes Image aufgrund des Krieges von 1998/1999 und der allgemeinen politischen Lage – Die Menschen sind sehr gastfreundlich und waren uns gegenüber vollkommen aufgeschlossen und herzlich!
  • Trotz eines gewissen Abenteuer-Faktors im Vorfeld hat vor Ort wieder alles reibungslos geklappt!
  • Für nächstes Jahr planen wir einen „gemütlicheren“ Länderhöhepunkt – Es muss nicht immer eine 10stündige Tour zu einem European Highpoint sein. 2023 geht es dann nach Litauen 😊
  • Es war eine rundum gelungene Wanderreise – Es hat einfach alles gepasst! Ein herzliches Dankeschön an die tolle und harmonische Gruppe!