05.06. – 12.06.2021: Pilot-Wanderwoche Ligurien

 

Vorwort: 

Der 2. Corona-Lockdown dauerte bereits seit November 2020 an, Gruppenwanderungen waren in Deutschland immer noch nicht erlaubt. Doch es gab ein Silberstreif am Horizont: Reisen ins benachbarte Ausland waren ab Ende Mai 2021 ohne Quarantäne bei der Rückkehr möglich. Wir packten die Gelegenheit natürlich am Schopfe und boten ganz spontan eine Wanderwoche an. Diese Pilot-Wanderreise führte uns in das Hinterland bei Ventimiglia im westlichen Ligurien.

Wir waren insgesamt 4 Personen, die sich nach diesem bereits langanhaltenden Lockdown auf eine schöne Tourenwoche in Ligurien freuten.

Die coronabedingten Formalitäten mussten noch erledigt werden: Registrierung beim EU Digital Passenger Locator Form (dPLF), Meldung an die Gesundheitsbehörde der Region Liguria in Genua und das Mitführen eines negativen Corona-Tests…Doch als dies erledigt war, konnten wir schließlich voller Vorfreude am 5. Juni 2021 starten…

 

5. Juni: Anreise und kleiner Spaziergang 

Die Anreise über den Gotthard – Milano und Genova verlief ohne große Zwischenfälle. Kurz hinter Savona verließen wir die spektakuläre Küstenautobahn und fanden in Varigotti einen Parkplatz. Wir nutzten diesen Zwischenhalt für einen Spaziergang bis zur Kapelle San Lorenzo. Diese kleine Kapelle liegt sehr reizvoll inmitten eines mediterranen Waldes. Wir entdeckten einige Pflanzen und konnten einen schönen Blick hinüber zur Halbinsel von Varigotti bewundern. Direkt an der Mauer der Kapelle wächst die endemische Stern-Glockenblume: https://de.wikipedia.org/wiki/Stern-Glockenblume. Diese Pflanze kommt wildwachsend nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet bei Finale Luguria vor. Allerdings fanden wir nur die Blattrosetten, die Blütezeit von Campanula isophylla ist der Hochsommer/Herbst.

Danach ging es zurück auf die Autobahn, die wir schließlich bei der Abfahrt Ventimiglia verließen. Von der Abfahrt war es nicht mehr weit bis zum Hotel Kaly: https://www.hotelkaly.it/de. Ein familiär geführtes Hotel mit einem leckeren Frühstücksbuffet und direkt an der Strandpromenade gelegen. Gemeinsam beschlossen wir den Anreisetag in einem Restaurant in Hotelnähe (wir waren meistens in diesem Restaurant zum Abendessen).

6. Juni: Von Dolceacqua zurück nach Ventimiglia

Aussichtsreiche und landschaftlich sehr vielfältige Wanderung von Dolceacqua über einen aussichtsreichen Höhenrücken zurück nach Ventimiglia.

Fahrt mit dem Taxi bis Dolceacqua – Zuerst erkundigten wir den verträumten Ort – Schöne Blumenteppiche vor der Kirche – Danach Aufstieg bis zur Kapelle San Bernardo – Danach weiterhin bergan bis knapp unterhalb vom Cima Tramontina – Jetzt hatten wir den größten Aufstieg des heutigen Tages geschafft 😊 – Nun ging es für mehrere Kilometer im leichten Auf und Ab über einen aussichtsreichen Höhenrücken zwischen dem Roja- und Nervia-Tal weiter – Sehr schöne Ausblicke, auch zum morgigen Gipfelziel Monte Grammondo – Viele blühende Zistrosen und vereinzelt entdeckten wir sogar ein paar Orchideen – Langeweile kam da keine auf 😊 – Interessante Felsformationen „Terre Bianche“ direkt am Wegesrand – Bei der Kirche Madonna delle Neve gab es einen Weinumtrunk 😊 – Wir erreichten die Häuser von Ciaixe – Zum Schluss Abstieg durch einen sonnenbeschienenen Hang hinunter nach Ventimiglia.

14,6 Km, 690 Höhenmeter, zu Beginn und am Ende der Wanderung etwas schweißtreibender.

Link zu outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/provinz-imperia/ligurien-2021-6.-juni-von-dolceacqua-zurueck-nach-ventimiglia/331544913

7. Juni: Bergwanderung Monte Grammondo (1379 Meter)

Die zweite Tour unserer Ligurien-Wanderwoche führte uns auf den Monte Grammondo (1379 m) – Ein ungemein aussichtsreicher Berg auf dem Grenzkamm zwischen Frankreich und Italien. Dies war auch die konditionell anspruchsvollste Wanderung der gesamten Reise.

Fahrt bis in Bergdorf Villatella – Schöner Aufstieg, teilweise etwas steiler, durch einen mediterranen Wald mit einer üppigen Flora und (Insekten)Fauna – Nach Erreichen der Baumgrenze langgezogener Weiterweg durch eine steinige Flanke mit viel Steineichen – Finaler Aufstieg durch blumenreiche Bergwiesen – Empfangen wurden wir von einem traumhaften Rundumblick bis tief hinein in die Seealpen – Dunkle Gewitterwolken zogen glücklicherweise an uns vorbei –  Sehr schöner Trupp Pfingstrosen direkt am Gipfel – Abstieg auf bereits bekannten Weg durch die sonnenbeschienene Ostflanke zurück zum Abzweig – Abstieg über den ungemein aussichtsreichen Weg Richtung Monte Fuga – hier bogen wir scharf links ab, Abstieg zurück nach Villatella.

15 Km, 1015 Höhenmeter, wir waren 6 Stunden unterwegs.

Link zu outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/provinz-imperia/ligurien2021-7.-juni-bergwanderung-monte-grammondo-1379-meter-/331544940

Fazit: Traumhafte Wanderung auf einen der schönsten Gipfel der südlichen Seealpen!

8. Juni: Imperia und Cervo – Stadtbummel hoch2

Nach 2 wirklich beeindruckenden Wanderungen mit einigen Höhenmetern wollten wir Tag 3 unserer Reise etwas gemütlicher angehen: Wir unternahmen zwei Stadtspaziergänge.

Der 1. Stadtbummel führte uns in die Provinz-Hauptstadt Imperia. Wir schlenderten durch die Gassen der Altstadt, bestaunten die Auslagen in den Geschäften wie auch die beeindruckenden Villen oberhalb der Stadtmitte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Imperia_(Ligurien). Direkt am Hafen gab es kostenlose Parkmöglichkeiten.

Danach fuhren wir in das in des pittoreske und romantisch wirkende Cervo: https://de.wikipedia.org/wiki/Cervo_(Ligurien). Der autofreie Ortskern gehört zu den schönsten Dörfern Italiens. Wir waren jedenfalls total begeistert von diesem wunderschönen Ort.

Danach ging es zurück nach Ventimiglia – In einem Restaurant in der Altstadt (welche oben am Berg liegt) ließen wir diesen Städtetag ausklingen…

9. Juni: Monte Pietravecchia – Der südlichste 2000er der Alpen

Heute stand das Wander-Highlight unserer Urlaubswoche auf dem Programm: Eine Rundwanderung auf den Monte Pietravecchia, dem südlichsten 2000er der gesamten Alpen.

Lange Anfahrt (fast 2 Stunden) zum Colla Melosa auf 1545 Metern – Der Wanderweg führte uns durch eine sonnige und sehr blumenreiche Bergflanke (Orchideen, Enziane). Der Sentiero degli Alpini, ein ehemaliger Kriegsweg, wurde sehr aufwendig in eine steile Felswand gesprengt – Dieser Wegabschnitt hat uns natürlich sehr gut gefallen, etwas Schwindelfreiheit war von Vorteil 😊 – https://klettersteig.de/klettersteig/sentiero_degli_alpini/830 – Aufstieg über steile Serpentinen bis zum Passo dell’Incisa – Sehr aussichtsreicher Abstecher bis zum Passo di Fonte Dragurina – Blumenreiche Wiesen und tolle Blicke in die Berge vom Mercantour – Wir fanden einen idealen Pausenplatz – Zurück bis zum Passo dell’Incisa – Weiterweg bis zum Passo delle Valletta entlang der Nordflanke des Bergmassives mit schönen Lärchenwäldern – Abstecher zum Monte Pietravecchia (2039) durch ein relativ flaches Wiesen- und Waldgelände – Vom südlichsten 2000er der Alpen war leider aufgrund aufziehender Wolken die Sicht etwas eingeschränkt – Abstieg zurück zum Passo d. V. – Das letzte Stück unserer Wanderung führte uns durch einen steilen Wiesenhang mit Wildtulpen und der leider noch nicht blühenden und endemischen Seealpen-Lilie (https://de.wikipedia.org/wiki/Seealpen-Lilie) – Ohne einen Tropfen Regen erreichten wir wieder den Colle Melosa – Fazit: Einfach eine Hammertour!

16 Km, 1075 Höhenmeter.

Link zur Onlinekarte von outdooractive: 

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/provinz-imperia/ligurien-2021-9.-juni-monte-pietravecchia-der-suedlichste-2000er/331544977

10. Juni: Wanderung Rocchetta Nervina – Rifugio Paù

Die heutige Bergtour führte uns vom Bergdorf Rocchetta Nervina bis zum leider geschlossenen Rifugio Paù – An diesem Tag hatten wir kein so großes Glück mit dem Wetter und kamen in den „Genuss“ eines kräftigen Gewitterschauers…

Fahrt in das einsam gelegene und von steilen Bergflanken umgebene Dorf Rocchetta Nervina – Start bei schwülem Wetter – Schöner Wanderweg mit anfangs nur wenig Steigung oberhalb des Flusses Torrente Barbaira – Kleiner Abstecher direkt zum Flussbett mit seinen türkisfarbenen Gumpen – Weiterweg parallel zum Flusslauf – Danach auf der linken Talseite steilerer Aufstieg bis zu den Ruinen von Casa Caussaniglia – Schweißtreibender Aufstieg, als Entschädigung entdeckten wir einige Orchideen und prachtvolle Zistrosen in voller Blüte – Nach Erreichen der Ruinen gab es eine kurze Verschnaufpause, der Aufstieg führte weiterhin steil nach oben – Rifugio Paù war leider geschlossen – Aufgrund aufziehender Gewitterwolken war hier der Wendepunkt der heutigen Wanderung, wir verzichteten auf eine geplante Besteigung des Roche Fourquin – Anfänglicher Abstieg entlang einer unbefestigten Fahrstraße – Leider bekamen wir jetzt den ersten Regenschauer ab – Glücklicherweise wurden wir von einem stärkeren Gewitter mit Blitz und Donner verschont – Nach unzähligen Kehren verließen wir die Fahrstraße – Sehr steiler Abstieg durch einen dichten Wald, teilweise ohne Wegspur, allerdings mit sehr guter Markierung (rot-weiß angemeldete Steine am Boden) – Hier war absolute Trittsicherheit erforderlich! – Glücklicherweise war die steile Bergflanke dicht bewachsen, ansonsten wäre der Weg sehr ausgesetzt gewesen – Nach Erreichen von Rocchetta Nervina schien wieder die Sonne 😊

15,6 Km, 900 Höhenmeter.

Link zu outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/provinz-imperia/ligurien-2021-10.-juni-wanderung-rocchetta-nervina-rifugio-pau/331545003

11. Juni: Wanderung oberhalb von Bordighera

Zum Abschluss unserer Wanderwoche unternahmen wir nochmals eine sehr vielfältige und abwechslungsreiche Tour rund um Bordighera (https://de.wikipedia.org/wiki/Bordighera).

Start beim Municipio (Rathaus) – Schlendern durch den historischen Ortskern mit der Kirche Santa Maria Maddalena – Weiterweg durch eine Gegend mit einer üppig blühenden Gärten – Wir erreichten den Friedhof – Aufstieg durch lichtes Gelände mit typischer Macchia-Vegetation bis zum Colla Merello – Danach schöner Wanderweg durch einen mediterranen Wald bis unterhalb vom Monte Nero –  Auf der Rückseite des Bergrückens fanden wir teilweise auch einen schattenspendenden Wald vor – Wir erreichten das schöne Dorf Seborga – Es war nun Zeit für einen Cappuccino oder Bier 😊 – Rückweg über Sasso die Bordighera bis in den Ortskern – Bis zum Ende der Wanderung eine sehr vielfältige Vegetation und schöne Wegführung.

18 Km, 650 Höhenmeter.

Link zu outdooractive:

https://www.outdooractive.com/de/route/wanderung/provinz-imperia/ligurien-2021-11.-juni-wanderung-oberhalb-von-bordighera/331545018

Am letzten Abend kehrten wir nochmals in unserem „Stamm-Restaurant“ ein und genossen die schöne Abendstimmung am Strand.

12. Juni: Heimfahrt – Abschied von Ligurien nehmen

Noch einer beeindruckenden Wanderwoche in Ligurien hieß es nun Abschied nehmen. Die Heimfahrt war nochmals ein Erlebnis: Ventimiglia – Savona – Torino – Aostatal – Grosser St. Bernhard-Pass – Genfer See…

Besonders imposant war bei dieser Fahrt der Kontrast zwischen der mediterranen ligurischen Küste und dem noch schneebedeckten Colle del Gran San Bernardo. Auf der Südseite der Passhöhe fanden wir ein paar interessante Alpenblumen.

Fazits der Reise:

  • Unsere erste Wanderreise „nach“ dem 2. Corona-Lockdown hat uns sehr gut gefallen – Wir haben es sehr geschätzt, dass wir wieder ins Ausland fahren konnten. Hoffen wir noch auf viele schöne Wanderreisen in diesem Jahr – Nachholbedarf besteht auf alle Fälle 😊
  • Mit dem Wetter hatten wir sehr viel Glück (abgesehen von einem Wärmegewitter)
  • Die Wanderungen waren sehr vielfältig mit tollen Ausblicken und einer sehr üppigen Vegetation (von mediterran bis alpin)
  • Vielen Dank an Andreas für das Aufzeichnen der gpx-Tracks
  • Und ein großes Dankeschön an die tolle Truppe!